Sagen um den Hl. Sankt Nikolaus

Nikolaus und die Seeleute

Zu der Zeit, als Nikolaus Bischof von Myra war, fuhren Seeleute mit ihrem Schiff einmal über das Mittelmeer. Eines Tages brach ein furchtbarer Sturm los. Der Himmel wurde ganz finster und die Wellen tobten. Der Sturm packte das Segel und riss es in viele Stücke. Dann zerbrach auch der Mast.

Die Wellen schlugen über den Bootsrand und bald stand das Schiff voll Wasser. In ihrer Not dachten die Seeleute an den Bischof von Myra und riefen laut: »Nikolaus, hilf uns! Nikolaus, hilf uns!«

Da sahen sie plötzlich einen fremden Mann am Steuer ihres Schiffes stehen. Er nickte ihnen freundlich und beruhigend zu und lenkte das Schiff sicher durch die Fluten. So erreichten sie trotz des furchtbaren Unwetters sicher das Ufer. Als sie aber dort ausgestiegen waren, war der furchtlose und freundliche Helfer verschwunden. Da liefen sie zur Kirche nach Myra, um Gott für ihre wunderbare Rettung zu danken.

Wie staunten sie aber, als sie dort den Bischof Nikolaus erblickten. Er und kein anderer war es gewesen, der in der Nacht ihr Schiff sicher durch das Unwetter gelenkt hatte. Da fielen sie vor dem Bischof auf die Knie und dankten ihm von ganzem Herzen. Der Bischof aber sagte: »Denkt an die Geschichte von Jesus, der so stark ist, dass ihm sogar der Sturm auf dem See Genezaret gehorchte. Wenn ihr Jesus vertraut, wird euch nichts geschehen!«

Die Seeleute machten Nikolaus zu ihrem Schutzpatron. Und der heilige Nikolaus ist der Schutzheilige der Seeleute bis zum heutigen Tag.

Der ungerechte Stadthalter

Einst hatte der Stadthalter von Myra Bestechungsgelder angenommen und befohlen drei Bürger der Stadt durch das Schwert töten zu lassen. Bischof Nikolaus wurde von einer Reise eilig zurückgerufen um den ungerecht Verurteilten zu helfen. Doch diese waren bereits auf dem Weg zur Hinrichtungsstätte. Schnell lief der Bischof hin. Der Scharfrichter hielt sein Schwert schon in der Hand. Nikolaus sprang zu ihm hinauf, entriss ihm das Schwert und schleuderte es weit fort. Er befreite die Gefangenen und brachte sie in die Stadt zurück.

Ich bin bereit, an Stelle der Unschuldigen zu sterben, rief er. Keiner wagte es, ihm entgegen zu treten.

Nun eilte der Bischof zum Stadthalter und pochte an dessen Tor. Dieser kam heraus und begrüsste ihn mit einem Kniefall. Doch Nikolaus sagte wütend: Obwohl du Unschuldige töten lässt, kommst du mir unter die Augen! Ich werde deine Verbrechen dem Kaiser melden!

Da flehte der Stadthalter den Bischof an: Nicht ich bin schuldig, sondern meine Beamten, die eine falsche Anklage erhoben haben.

Doch Nikolaus erwiderte: Nichts davon! Zweihundert Goldpfund hast du angenommen um dafür diese drei Männer gemein zu beseitigen. Und er brachte den Stadthalter dazu seine Schuld einzugestehen und das Recht wiederherzustellen.

Die drei armen Mädchen

Als Nikolaus noch sehr jung war, lebte er in einem schönen Haus mit grossem Garten ganz allein. Seine Eltern waren schon sehr früh gestorben.

In der Nähe stand ein altes, nicht mehr so schönes Haus. Darin wohnte ein Mann mit seinen drei Töchtern. Eines Tages, als Nikolaus an dem Haus vorbeiging, hörte er wie der Vater zu seinen drei Töchtern sagte: „Ich weiss, dass jede von Euch einen Freund hat. Ihr könnt aber nicht heiraten, weil ich kein Geld mehr habe. Ihr wisst ja, dass wir früher ein rechtes Vermögen hatten. Leider haben wir durch schlechte Geschäfte und Räuber alles verloren.“ Da sagte die jüngste Tochter: „Vater, du kannst ja mich als Sklavin oder Dienstmagd verkaufen, dann können wenigstens meine Schwestern heiraten.“ Der Vater erschrak vor diesem Vorschlag und meinte, dass so etwas nicht in Frage käme.

In der nächsten Nacht klirrte es auf dem Boden in der Wohnung. Am Morgen fand die älteste Tochter im Zimmer ein Säcklein. Sie öffnete es und es war voller Goldmünzen. Sie lief damit zum Vater und zeigte es ihm.

Der Vater traute seinen Augen kaum und meinte dann: „Das hat uns der Himmel geschickt, jetzt kannst du heiraten.“

So ging es in der nächsten Nacht wieder. Nun konnte auch die zweite Tochter heiraten. In der dritten Nacht versuchte der Vater wach zu bleiben, um zu sehen, wer ihr Wohltäter sei. Er schlief fast ein. Mitten in der Nacht erwachte er, als es wieder auf dem Boden klirrte. Er lief schnell hinaus und erwischte seinen Wohltäter gerade noch. Nikolaus war es. Der reiche junge Mann aus der Nachbarschaft. Der Vater wollte sich bedanken, aber Nikolaus bat ihn, er solle es ja niemand erzählen.

Am Morgen sagte der Vater der jüngsten Tochter, dass auch sie jetzt heiraten könne. Die Töchter fragten daraufhin den Vater, ob er wirklich nicht wisse, wer Ihnen die Goldsäcklein geschenkt habe. Der Vater wollte seine Töchter nicht belügen. So erzählte er ihnen. was er in der Nacht vorher erlebt hatte und bat auch sie, es nicht weiter zu sagen.

Die Mädchen konnten jetzt heiraten und jede freute sich sehr darüber.

Wunderbare Kornvermehrung

Während einer großen Hungersnot erfährt der Bischof von Myra, dass ein Schiff im Hafen vor Anker liegt, das Getreide für den Kaiser in Konstantinopel geladen hat.

Er bittet daher die Seeleute, einen Teil des Kornes auszuladen, um in der Not zu helfen. Diese weisen zuerst die Bitte zurück, da das Korn genau abgewogen beim Kaiser abgeliefert werden müsse.

Erst als Nikolaus ihnen verspricht, dass sie für ihr Entgegenkommen keinen Schaden nehmen würden, stimmen die Seeleute zu.

Als sie später in der Hauptstadt ankommen, stellen sie verwundert fest, dass das Gewicht der Ladung sich trotz der entnommenen Menge nicht verändert hat. Das in Myra entnommene Korn aber reicht volle zwei Jahre und kann sogar noch zur Aussaat verwendet werden.

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